“Ich arbeite an der Bruchkante zwischen Körper und Code. Die digitale Revolution hat unsere Abläufe nicht langsam, sondern sprunghaft verändert: Routinen, Wahrnehmungen, Entscheidungen verlagern sich in Systeme, die wir nutzen, aber selten hinterfragen. Meine Kunst richtet den Blick auf diese Ambivalenz – auf die Versprechen von Effizienz und Vernetzung ebenso wie auf die stillen Verluste von Autonomie, Erinnerung und Kontinuität.
Formell verbinde ich Bekanntes mit Digitalem: klassische Motive, Handschrift, malerische Schichten treffen auf Leiterbahnen, Pixelraster, Interface-Fragmente. Elektronische Bauteile werden in die Leinwand eingelassen, als materielle Zeichen einer Infrastruktur, die unser Leben durchdringt. Glitch-Strukturen, künstliches „Screen-Licht“ und algorithmische Wiederholungen stören die Bildlogik, bis die Frage spürbar wird: Wer steuert wen – Mensch das System oder das System den Menschen?
Jede Serie ist als offener Diskursraum angelegt. Ich verdichte Bildmotive zu Situationen, in denen Fortschritt und Kontrolle gleichzeitig sichtbar sind: Überlagerungen, Tilgungen, Störungen. Das Ziel ist kein Alarmismus, sondern bewusste Positionierung. Die Bilder laden ein, Haltung zu prüfen: Was geben wir ab, wofür gewinnen wir Spielraum? Wo verläuft die Grenze zwischen Unterstützung und Überwachung, zwischen Optimierung und Entmündigung?
Meine Mission ist es, die Ambivalenz dieser Entwicklung sichtbar zu machen und den Dialog darüber zu schärfen. Meine Vision ist eine Aushandlung der digitalen Zukunft, die nicht nur technisch, sondern menschlich geführt wird: mit Sinn für Freiheit, Verantwortung und Verletzlichkeit. Wenn ein Bild dazu beiträgt, den eigenen Standpunkt zu klären – jenseits von Faszination oder Abwehr –, hat es seinen Zweck erfüllt: Technik nutzen, ohne den Menschen zum Funktionsteil eines Systems zu reduzieren.”